Trauer und Glück
S. möchte ja das ich in den Pflegeberuf wechsel. Sie hat ja auch Recht damit das es hilfebedürftige Personen immer gibt. Doch so richtig kann ich mich nicht entscheiden, dafür mag ich meinen Beruf den ich ja seit 20 Jahren ausübe zu sehr. Da sie ja einen Kurs zur Pflegedienstleitung im letzten Jahr abgeschlossen hatte und durch eine Kollegin bei ihr aus der Klasse zum Ambulanten Pflegedienst kam, möchte sie das ich das auch mache. S. macht ja jetzt eigentlich nur noch die Büroarbeiten. Trotzdem kommt es gelegentlich vor das sie auf Tour ist. Um mich doch noch umzustimmen, nahm sie mich mal auf eine Tour mit. Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich und abwechslungsreich. Von Haushalt aufräumen, Wäsche machen, nur Anwesend sein und sich Unterhalten, weil sie keinen weiter haben, Einkaufen oder bei der Hilfe aus dem Bett/ins Bett zu kommen ist alles dabei. Aus dem einen mal mitfahren sind jetzt fünf geworden und es macht Spaß. Die Klienten sind nett und freundlich. Doch ob ich wirklich umsatteln sollte? Der eine Klient kam vor 3 Wochen ins Krankenhaus und wurde nach wenigen Tagen wieder nach Hause entlassen. Bei ihm war ich recht gerne, er schrieb an einem Buch, bastelte Modellschiffe so weit es ging. Ansonsten saß er den ganzen Tag im Rollstuhl oder lag im Bett. Ich schloß ihn irgendwie ins Herz und so erschütterter war ich wie mir S. am Montag sagte das die Spätschicht bei ihm war und es ihm nicht gut geht, er hatte einen Blutdruck von 92/60 und er kam dann ins Krankenhaus. Da er keine weiteren Angehörigen hat und S. vom Pflegedienst Rufbereitschaft hatte, wurde sie vom Krankenhaus angerufen und gefragt ob er eine Patientenverfügung hat. Er soll sich selber schon aufgegeben haben und nicht mehr leben wollen. Ich spielte schon mit den Gedanken ihn im Krankenhaus besuchen zu gehen. Am Mittwoch sagte mir S. das er auf die Intensiv gekommen sei. Ich nahm mir fest vor, sobald er aus der Intensiv kommt, hinzufahren. Heute früh rief mich S. an und sagte mir das ich mich setzen soll, der Herr ist verstorben. Ich war traurig obwohl ich ihn nur wenige Wochen kannte. Es geht mir zu Herzen. S. sagte zwar das es für ihn auch besser ist, da es kein wirkliches Leben war nur alleine in der Wohnung im Rollstuhl zu sitzen oder im Bett zu liegen. Und nun frage ich mich ob der Job wirklich was wäre wenn ich mir jeden Todesfall zu Herzen nehme. Ich weiß das der Tod dazugehört, vor allem bei älteren die ihr Leben hinter sich haben. Da ist aber auch noch ein anderer dabei der nur wenige Jahre älter ist wie ich und der vom Krebs zerfressen wird und auch nicht mehr lange am Leben sein wird. Für ihn ist das schlimmste das alle seine Freunde und Bekannte den Kontakt abgebrochen haben als wenn es eine ansteckende Krankheit ist.
Durch S. konnte ich einer ehemaligen Kollegin die nur als Aushilfe immer mal wieder gearbeitet hatte, einen Wechsel in die Pflege verschaffen. Das ging dann ziemlich schnell. Ich sprach mit ihr darüber ob sie sich das vorstellen könnte und sie sagte ja, sie kann es ja mal versuchen. Ich sagte S. bescheid, sie fragte gleich nach dem Namen, damit wenn die Bewerbung kommt sie bescheid weiß. Gleich am nächsten Tag rief S. mich von der Arbeit an und sagte ich solle H. sagen sie soll bis zum nächsten Tag eine Bewerbung fertig machen, S. nimmt sie mit zur Arbeit und nächste Woche hat sie ein Bewerbungsgespräch. H. sollte dann schauen ob das Jobcenter den Pflegekurs bezahlt, welchem das Jobcenter auch sofort zustimmte. Zuerst sollte sie dann eine Woche später einmal mitlaufen, doch schon zwei Tage später lief sie schon mit und alle waren Begeistert. S. sagte sie mache ihre Sache sehr gut. Und ich bin froh das ich H. zu dem Sprung verhelfen konnte. Sie ist froh und glücklich über den Job. Und ich denke das sie ihre Sache gut machen wird.